Die Erde wird wärmer, das Meer steigt – warum eigentlich?
Und wie schützt eine Stadt an der Küste ihre Zukunft, ohne dabei pleitezugehen?
📷Foto gesuchtBlick über den Bodensee mit Ufer- oder Hafenlinie im Vordergrund (z. B. Hafen Bregenz mit Molo und Pipeline, gern bei hohem Wasserstand).assets/img/buch/klima/opener-bodensee-hafen.jpg
Darum geht es in diesem Kapitel:
Du lernst, wie der Treibhauseffekt funktioniert.
Du erfährst, warum das CO₂ in der Luft so schnell zunimmt.
Du siehst, warum der Meeresspiegel steigt – und
wen das zuerst trifft. Du vergleichst, woher Österreich, Deutschland und die
Schweiz ihren Strom holen. Und du lernst, wie man Küsten schützt. Klimaschutz
kostet Geld. Aber warten kostet noch mehr: Manche Schäden lassen sich später
nie mehr rückgängig machen (Kipppunkte).
AT · GW 1. Kl.: Grundlagen des KlimawandelsAT · GW 2. Kl.: Energie & RessourcenAT · GW 4. Kl.: Belastungsgrenzen der ErdeAT · ÜT 11 Umweltbildung (BNE)DE · DGfG F4 Mensch-Umwelt · NRW IF5 Wetter & KlimaDE · BY: Klima im Wandel (Jg. 9/10)CH · LP21 RZG 3.2 & NT · LI · RZG Klimawandel
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Es ist das Jahr 2025. Du leitest eine kleine Inselstadt – 150 Jahre lang, bis
2175. Jede Runde ist ein Jahr. Du kannst jederzeit pausieren ⏸ oder schneller
machen ⏩. Links siehst du deine Werte: CO₂ in ppm,
Temperatur, Meeresspiegel, Geld und Strom. Rechts baust du aus zwölf
Maßnahmen – vom Wald über den Windpark bis zum
Hochwasserschutz. Bürger:innen kommen mit
echten Anliegen zu dir. Am Ende zählen vier Ziele – sie entscheiden über deine
Sterne. Es gibt zwei Varianten mit denselben Regeln: die 2D-Karte
für die Schule und die 3D-Insel zum Erkunden – mit Vulkan, schmelzender
Gletscherkappe und Drohnen-Kamera 🚁.
📷Foto gesuchtScan eines alten Hochwasser-Fotos aus der Region (z. B. Rhein- oder Bodensee-Hochwasser 1999/2005, Familienalbum oder Gemeindearchiv).assets/img/buch/klima/hochwasser-scan.jpg
SEITE 1 · TREIBHAUSEFFEKT
1 · Der Treibhauseffekt: lebenswichtig – und aus dem Gleichgewicht
Die Erde bekommt ihre Wärme von der Sonne. Ein Teil dieser Wärme
würde sofort wieder ins Weltall verschwinden. Doch in der Luft rund um die
Erde (der Atmosphäre) schweben besondere Gase: die
TreibhausgaseCO₂,
Methan und Wasserdampf. Sie halten die Wärme fest –
wie das Glasdach eines Gewächshauses. Das nennt man den natürlichenTreibhauseffekt. Er macht die Erde um rund
33 °C wärmer. Ohne ihn wäre es im Schnitt −18 °C kalt. Leben wie unseres
gäbe es dann nicht.
Das Problem ist der Teil, den wir Menschen dazu machen. Vor rund
200 Jahren begannen die ersten großen Fabriken (die Industrialisierung).
Seither verbrennen wir fossile Brennstoffe:
Kohle, Erdöl und Erdgas. Dabei entweichen Emissionen in die Luft – Abgase, vor allem CO₂. So stieg der CO₂-Gehalt der Luft von
rund 280 ppm auf über 430 ppm. Seit 1958 misst eine
Station auf dem Berg Mauna Loa auf Hawaii diesen Anstieg. Ihre berühmte
Keeling-Kurve kennt nur eine Richtung: nach oben.
Die Folge: 2024 war das erste Jahr, das im Schnitt mehr als 1,5 °C wärmer
war als früher, vor den Fabriken. Genau diese Marke wollte das
Pariser Klimaabkommen halten.
Sonnenlicht kommt herein, Wärme bleibt drinnen: Ein Gewächshaus zeigt im Kleinen, was Treibhausgase im Großen bewirken.
📊 Echte Zahlen:
CO₂ in der Luft: vorindustriell 280 ppm → Mai 2025 erstmals über
430 ppm[1] [2] · 2024: wärmstes Jahr seit
Messbeginn, +1,6 °C über vorindustriell – das erste Jahr über der
1,5-°C-Marke [3]
Merke: Der natürliche Treibhauseffekt
ist lebenswichtig. Gefährlich ist der zusätzliche Treibhauseffekt
durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas – er heizt die Erde immer
weiter auf.
🎮 In der Simulation: Deine Insel startet
2025 bei 425 ppm – fast der echte Messwert. Tust du nichts, steigt das
CO₂ um 2,5 – 3,2 ppm pro Jahr. Die Temperatur folgt nur langsam nach.
Sie reagiert erst nach Jahren – genau wie das echte Klima. (Fachleute rechnen
mit rund +3 °C, wenn sich das CO₂ verdoppelt – so wie echte Klimamodelle.)
🌲 Wald bindet CO₂ billig, aber langsam. Der Windpark ersetzt fossile Energie
und senkt den Ausstoß stark. Die Kurven unten am Rand kannst du antippen und
größer machen. Und alle unterstrichenen Fachwörter öffnen eine kurze
Erklärung.
SEITE 2 · WELTWEIT
Klimawandel trifft überall: der Nakuru-See in Kenia
Klimawandel ist nicht nur eine Sache der Meeresküsten. Das zeigt ein
Beispiel weit im Landesinneren: der Nakuru-See in Kenia, mitten im
ostafrikanischen Grabenbruch und über 1.700 Meter hoch gelegen.
Seit etwa 2010 steigt dieser See immer weiter – weil es durch den
Klimawandel viel mehr regnet (und weil rund um den See viel Boden zugebaut
wurde, der kein Wasser mehr aufnimmt, siehe Bodenversiegelung).
Von 2010 bis 2020 wuchs der See von rund 40 auf 68 km². Das Wasser
verschluckte einen ganzen Wald, Parkstraßen und Gebäude. Über alle Seen des
Grabenbruchs hinweg mussten rund 80.000 Familien ihr Zuhause verlassen;
sogar die berühmten Flamingos wanderten ab, weil das Wasser weniger salzig
wurde (UNEP; Egerton University).
Wie sehr das Thema die Menschen dort beschäftigt, sieht man schon am
Eingang der Universitätsbibliothek (Egerton University): Gleich im ersten
Regal stehen die Bücher über Klimawandel und Umwelt.
Merke: Der Klimawandel trifft überall –
nicht nur die Küsten, sondern auch Seen, Felder und Städte weit im
Landesinneren.
Der Nakuru-See in Kenia ist so stark gestiegen, dass er einen ganzen Wald und Gebäude verschluckt hat. Ein Ranger-Häuschen steht heute mitten im Wasser. (Februar 2024)Eingang der Universitätsbibliothek (Egerton University, Kenia): Gleich im ersten Regal stehen die Bücher über den Klimawandel – das Thema ist hier Alltag.
📊 Echte Zahlen:
Nakuru-See 2010 – 2020: von 40 auf 68 km² gewachsen · über
1.700 m Seehöhe · rund 80.000 Familien an den Rift-Valley-Seen
vertrieben (UNEP; Analysen der Egerton University).
✏️ Aufgabe:
BDer Nakuru-See liegt über 1.700 m
hoch, weit weg von jedem Meer – und steigt trotzdem. Erkläre, warum der
Klimawandel auch dort das Wasser steigen lässt.
SEITE 2 · MEERESSPIEGEL
2 · Der Meeresspiegel steigt: langsam, aber unaufhaltsam
Dass das Meer steigt, hat zwei Ursachen. Erstens dehnt sich
warmes Wasser aus. Die Ozeane nehmen den größten Teil der zusätzlichen
Wärme auf. Warmes Wasser braucht mehr Platz – das nennt man
Wärmeausdehnung. Zweitens schmelzen
Gletscher und die riesigen Eisdecken auf Grönland
und der Antarktis. Ihr Schmelzwasser fließt ins Meer. Seit 1901 ist der
Meeresspiegel weltweit um rund 20 cm
gestiegen. Und es geht immer schneller: früher 1,3 mm pro Jahr, zuletzt
3,7 mm pro Jahr.
Wen trifft das zuerst? Die flachen Inselstaaten. Der höchste Punkt der
Malediven liegt nur gut 2 Meter über dem Meer. Tuvalu im
Pazifik plant schon, seine Menschen woanders anzusiedeln. Aber auch reiche
Länder sind betroffen. In den Niederlanden, unserem Nachbarn im
Nordwesten, liegt gut ein Viertel des Landes unter dem
Meeresspiegel – samt Städten wie Amsterdam und Rotterdam. Und die
Folgen beginnen lange vor der Flut. Salzwasser
sickert ins Grundwasser und macht Brunnen und Felder salzig. Das heißt
Versalzung. Dann müssen Menschen weg, obwohl ihr
Haus noch trocken steht. Die Überflutung ist
erst die letzte Stufe.
📷Foto gesuchtPegelanzeige, Pegelhaus oder historische Hochwassermarken am Bodensee (Hafen Bregenz oder Lindauer Hafeneinfahrt) – Wasserstand als messbare Größe.assets/img/buch/klima/pegel-bodensee.jpg
Auch mitten in Europa: Venedig steht schon heute regelmäßig unter Wasser. Beim „Acqua alta" drückt das Meer über die Ufer bis auf den Markusplatz.
📊 Echte Zahlen:
Globaler Anstieg 1901–2018: ca. 20 cm, zuletzt 3,7 mm/Jahr –
Tendenz beschleunigt [4] · Malediven: höchster
Punkt nur gut 2 m über dem Meer [5] ·
Niederlande: 26 % des Landes liegen unter dem Meeresspiegel
[6]
🎮 In der Simulation: Der Meeresspiegel folgt
der Temperatur. Aber er tut das in zwei Teilen. Ein Teil reagiert schnell. Der
andere Teil ist schon fest eingeplant: Er kommt auch dann noch, wenn du
das CO₂ längst gesenkt hast. Genauso ist es beim echten Eis – es reagiert nur
ganz langsam. Fachleute nennen das die
Trägheit des Klimasystems. Die
Geflutet-Anzeige zeigt dir die Wirkung auf der Karte. Zuerst frisst das
Meer den Strand. Das verhindert auch der beste Deich nicht. Dann steigt
das Wasser in die Häuser. Sind am Ende weniger als 40 % geflutet, ist das
Schutz-Ziel erreicht. Über 50 % bedeutet das Aus. Achte auf die Warnmeldungen:
salzige Brunnen 💧 und sterbende Küstenwälder 🌿 kommen vor der großen
Flut.
✏️ Aufgaben:
ANenne die zwei Ursachen des
Meeresspiegelanstiegs und erkläre eine davon mit eigenen Worten.
BBeobachte in der Simulation die
Meeresspiegel-Kurve, nachdem du das CO₂ gesenkt hast. Warum steigt das
Meer trotzdem noch jahrelang weiter?
C„Die Bewohner:innen flacher
Inseln müssen erst weg, wenn das Wasser ihre Häuser erreicht." Nimm mit
dem Fachbegriff Versalzung begründet Stellung.
SEITE 3 · ENERGIEWENDE
3 · Energiewende: Strom ohne CO₂ – wie machen es Österreich, Deutschland und die Schweiz?
Ein großer Teil der weltweiten Emissionen entsteht beim Strommachen.
Wer das Klima schützen will, muss deshalb zuerst den Strom sauberer machen.
Der Energiemix ist die Mischung aller
Strom-Quellen eines Landes. Das Ziel: weg vom
Kohlekraftwerk, hin zu
erneuerbarer Energie. Die drei
D-A-CH-Länder gehen dabei verschiedene Wege. Österreich hat viele
Alpenflüsse und ist darum ein Wasserkraft-Land. Rund die Hälfte des Stroms
kommt allein aus Wasserkraft. Je nach Wetterjahr
stammen über 80 % aus Erneuerbaren. Das letzte Kohlekraftwerk (Mellach)
ging 2020 vom Netz. Deutschland setzt auf
Wind und Photovoltaik und schaffte 2024 erstmals 62,7 % Erneuerbare. Die Schweiz
mischt Wasserkraft (rund 60 %) mit Kernkraft (rund 28 %).
Ein Problem bleibt: Sonne und Wind liefern nicht immer dann Strom, wenn
man ihn braucht. Ein bisschen Strom braucht ein Land aber rund um die Uhr,
Tag und Nacht. Diesen Dauer-Bedarf nennt man
Grundlast. Für windstille, trübe Tage (die
Dunkelflaute) braucht es darum Speicher. Die
Alpen haben dafür Pumpspeicherkraftwerke, die
„Batterien der Energiewende". So geht das: Ist zu viel Strom da, pumpt man
Wasser den Berg hinauf. Fehlt Strom, lässt man es wieder herunter – es
treibt Turbinen an und macht neuen Strom.
Wasserkraft aus den Alpen: Speicherseen und Kraftwerke machen Österreich zum Land der erneuerbaren Energie – und speichern Strom für windstille Tage.
📊 Strommix im Vergleich:AT 2025: 82 % erneuerbar, 51 % allein Wasserkraft
[7] · DE 2024: erstmals 62,7 % erneuerbar,
Wind ist größte Quelle [8] · CH 2024:
59,6 % Wasserkraft + 28,4 % Kernkraft [9] ·
AT-Kohleausstieg: 2020 [8]
Merke: 1 Megawatt (MW) versorgt ungefähr 1.000 Haushalte. Entscheidend ist nicht nur, wie viel
Strom erzeugt wird, sondern auch wann – darum brauchen Sonne und
Wind Speicher als Partner.
🎮 In der Simulation: Deine Insel braucht
1 MW je 1.000 Einwohner:innen. Eine ☀️ Solaranlage liefert 1 MW
(40 Mio €), ein 🌬️ Windpark 3 MW (150 Mio €) – für die Startstadt mit
6.000 Menschen reichen also 2 · 3 MW = 6 MW. Das 🏭 Kohlekraftwerk liefert
4 MW für nur 20 Mio € – klingt verlockend, pumpt aber Jahr für Jahr CO₂ in
die Luft: die Kohle-Falle. Fehlt Strom, droht der
Blackout: Die Menschen frieren, fällen deine Wälder
und verbrennen das Holz – doppelter Schaden. Wer die ganze Insel ohne
fossile Kraftwerke versorgt, holt die Auszeichnung „100 % Erneuerbar".
✏️ Aufgaben:
ADeine Stadt wächst auf 8.000
Einwohner:innen. Berechne den Strombedarf und stelle zwei verschiedene
Kraftwerks-Kombinationen zusammen (z. B. 2 · 3 MW + 2 · 1 MW = 8 MW).
BVergleiche Kohlekraftwerk und
Windpark: Anschaffung, jährliche Wartung, Stromleistung, CO₂-Wirkung.
Warum bauen Menschen trotzdem Kohlekraftwerke?
CÖsterreichs Wasserkraftwerke
erzeugten 2025 deutlich weniger Strom als 2024 – der Erneuerbaren-Anteil
schwankt darum von Jahr zu Jahr. Erkläre die Ursache – und was das für
die Versorgungssicherheit bedeutet.
SEITE 4 · KÜSTENSCHUTZ
4 · Küstenschutz und Anpassung: verteidigen, ausweichen – oder beides?
Gegen das steigende Wasser gibt es drei Wege.
1. Verteidigen. Man baut Deiche, Mauern und Sperrwerke. Ein Sperrwerk
ist ein riesiges Tor, das man bei Sturm schließt. Weil das alles aus Beton
und Stein ist, nennt man es „grauen"
Küstenschutz. Musterland sind die Niederlande:
26 % des Landes liegen unter dem Meeresspiegel. Deiche und die
Deltawerke – dreizehn gewaltige Sperrwerke – halten das Meer zurück.
Sie schützen vor Sturmfluten: Dabei drückt ein
tagelanger Sturm das Meer weit über die normale Flut hinaus ans Land. Doch
selbst die Deltawerke sind nur für rund 40 cm Anstieg gebaut. Bald muss man
sie höher machen. 2. Mit der Natur schützen.Mangrovenwälder brechen die Wellen. Ihre Wurzeln
halten den Boden fest. Und sie binden nebenbei CO₂. Aufgeschütteter Sand
hilft auch, doch das Meer trägt ihn immer wieder ab. 3. Ausweichen.
Wo Schutz zu teuer wird, zieht man sich zurück. Neue Häuser baut man dann
nur noch weiter oben, weg vom Wasser.
Auch weit weg vom Meer muss man sich anpassen. Flüsse bekommen Dämme und
Flächen, auf denen sich Hochwasser sammeln darf. Den Alpenrhein in
Vorarlberg bändigt man so schon seit über 100 Jahren. Und Städte werden zur
„Schwammstadt" umgebaut. Das heißt: Man reißt
Beton und Asphalt auf und macht mehr Grünflächen. Diese Flächen und kleine
Speicher saugen den Starkregen auf wie ein Schwamm. So läuft er nicht alles
auf einmal in die Kanäle.
📷Foto gesuchtHochwasserschutz-Damm am Alpenrhein (z. B. zwischen Hard und Fußach, gern mit Blick flussabwärts Richtung Bodensee) – regionales Anschauungsbeispiel für „graue" Schutzbauten.assets/img/buch/klima/kuestenschutz-rheindamm.jpg
📊 Echte Zahlen:
Niederlande: 26 % des Landes unter dem Meeresspiegel – inklusive
Amsterdam und Rotterdam · Deltawerke: 13 Sperrwerke, ausgelegt auf
40 cm Anstieg [6]
Merke: Kein Schutz hält ewig.
Nachhaltige Anpassung kombiniert Bauwerke, naturbasierte Lösungen und
kluge Raumplanung – und beginnt, bevor das Wasser kommt.
🎮 In der Simulation: Vier Maßnahmen bringen
Schutz-Zentimeter: 🌊 Deich 12 cm (80 Mio €), 🛡️ Hochwasserschutz-Mauer
50 cm (240 Mio €), 🪸 Mangrovenwald 6 cm + CO₂-Bindung
(35 Mio €), 🏖 Sand-Aufschüttung 18 cm (50 Mio €) – aber Achtung, der
Sand wird jedes Jahr ein Stück weggespült. Rechne die Effizienz nach:
Deich 80 : 12 ≈ 6,7 Mio € pro cm, Mauer 240 : 50 = 4,8 Mio € pro
cm – die Mauer ist pro Zentimeter billiger, verlangt aber viel Budget
auf einmal. Und: Schutz halbiert die Wirkung des Anstiegs nur – den
Strand rettet er nicht. In der 3D-Variante siehst du deine Bauwerke direkt
an der Küste stehen.
SEITE 5 · GELD, ZEIT & KIPPPUNKTE
5 · Ökonomie gegen Ökologie? Geld, Zeit und Kipppunkte
Klimaschutz kostet Geld. Windräder, Deiche und neue Wälder stehen in
jedem Budget. Aber kein Klimaschutz kostet mehr. Flutschäden,
vertrocknete Ernten, kranke Menschen bei Hitze und immer teurerer
Küstenschutz – das ist die Rechnung, die später kommt. Fachleute für Geld
nennen das Folgekosten. Sie stehen auf keiner
Quittung, bezahlt werden sie trotzdem. Dazu kommen echte
Zielkonflikte: Ein Kohlekraftwerk liefert
billigen Strom, ein Flughafen bringt Geld durch Tourismus. Doch beides
heizt die Erde weiter auf. Und Vorsicht vor Scheinlösungen: Manche
wollen das Wetter mit Technik überlisten, zum Beispiel mit einer
„Wolken-Impfung" (das nennt man Geo-Engineering). Das klingt nach
Wundermittel, wirkt in Versuchen aber kaum. Und es ersetzt das CO₂-Sparen
nicht.
Am wichtigsten ist die Zeit. Das Klima hat nämlich
Kipppunkte. Ein Kipppunkt ist eine Grenze: Ist sie
überschritten, läuft die Veränderung von allein weiter – auch wenn wir das
CO₂ später senken. So ein Kipppunkt droht, wenn die großen Eisdecken
abschmelzen. Oder wenn der Permafrost auftaut –
das ist Boden, der sonst das ganze Jahr gefroren bleibt. Wie nah das ist,
zeigen die Alpen. Die Schweizer Gletscher verloren in nur zwei Jahren ein
Zehntel ihres Eises. Und die Hitzetage in
Österreich – Tage mit mindestens 30 °C – haben sich verdoppelt bis
verdreifacht. Früh handeln ist deshalb klug: Es hilft der Natur und
es spart Geld. Das Ziel heißt Klimaneutralität –
nicht mehr CO₂ ausstoßen, als die Erde wieder aufnehmen kann. Darauf hat
sich die Welt in Paris geeinigt.
📷Foto gesuchtGletscher- oder Hochgebirgsmotiv: Silvretta/Piz Buin mit Ochsentaler Gletscher, alternativ ein aperer Hang im Hochsommer – ideal kombiniert mit einem alten Scan derselben Ansicht als Vergleich.assets/img/buch/klima/gletscher-alpen.jpg
📊 Echte Zahlen:
Schweizer Gletscher: −10 % Eisvolumen allein 2022–2023
[10] · Hitzetage in Österreich:
verdoppelt bis verdreifacht – Wiener Innenstadt 2024 erstmals
über 50 Hitzetage [11] · Pariser Abkommen (2015):
Erwärmung deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C [12]
Merke: Klimaschutz ist eine
Investition: Er kostet heute – und spart morgen. Kipppunkte machen
Warten teuer: Was gekippt ist, lässt sich mit keinem Geld der Welt
zurückkaufen.
🎮 In der Simulation: Dein Geld kommt aus den
Steuern der Bevölkerung. Jede Maßnahme kostet dazu noch
jedes Jahr Wartung. Und die Bürger:innen zwingen dich zu
schweren Entscheidungen. Fischerin Lina braucht Hilfe. Konzernchef
Vogel verspricht Arbeitsplätze – aber nur gegen Fördergeld
(Subventionen) und mehr CO₂. Die 14-jährige Lia streikt für mehr
Klimaschutz. Das Forschungszentrum von Dr. Hassan kostet 300 Mio €. Dafür macht
es alle späteren Maßnahmen 20 % billiger – Wissen zahlt sich aus. Und hier die
härteste Regel: Steigt die Temperatur über +3,5 °C, ist die Simulation
verloren – auch mit vollem Konto. „Reich, aber Klima kaputt" zählt nicht
als Erfolg. Am Ende zählen deine Sterne: Temperatur, Geld, Schutz und
Bevölkerung.
✏️ Abschluss-Aufgaben:
ANenne zwei Maßnahmen aus der
Simulation, die Geld bringen, aber dem Klima schaden – und je eine
Alternative.
BKonzernchef Vogel bietet
500 Arbeitsplätze gegen Subventionen und mehr CO₂-Ausstoß. Sammle je
zwei Argumente dafür und dagegen und triff eine begründete Entscheidung.
C„Klimaschutz können wir uns
nicht leisten." Entkräfte diese Aussage mit zwei Argumenten aus diesem
Kapitel (Folgekosten, Kipppunkte).
DErkläre am Beispiel des
Meeresspiegels, was ein Kipppunkt ist – und warum die Simulation dich
verlieren lässt, wenn es zu heiß wird, egal wie reich du bist.
QUELLEN
Quellen & zum Weiterlesen
[1] NOAA Global Monitoring Laboratory: Trends in Atmospheric CO₂ (Mauna Loa) –
gml.noaa.gov
[2] Scripps Institution of Oceanography: Annual CO₂ Peak Passes Another Milestone (Mai 2025: über 430 ppm) –
scripps.ucsd.edu
[3] Copernicus Climate Change Service: 2024 is the first year to exceed 1.5 °C above pre-industrial level –
climate.copernicus.eu
[4] Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): Meeresspiegelanstieg –
bsh.de
[5] Hamburger Bildungsserver: Meeresspiegelanstieg in tropischen Inselstaaten –
bildungsserver.hamburg.de
[6] Wikipedia: Hochwasserschutz in den Niederlanden / Deltawerke –
wikipedia.org ·
wikipedia.org
[7] Wiener Stadtwerke: Stromerzeugung in Österreich (Grafik, 2025) –
positionen.wienerstadtwerke.at
[8] Fraunhofer ISE: Öffentliche Stromerzeugung 2024 – Erneuerbare decken erstmals über 60 % –
ise.fraunhofer.de
[9] Bundesamt für Energie (CH): Schweizer Elektrizitätsbilanz 2024 –
energeiaplus.com
[10] GLAMOS / Universität Zürich: Zwei Extremjahre vernichten 10 Prozent des Schweizer Gletschervolumens –
geo.uzh.ch
[11] GeoSphere Austria: Massive Zunahme an Hitzetagen –
geosphere.at
[12] UNFCCC: The Paris Agreement –
unfccc.int