GeoGraSim — interaktive Simulationen für den Geografieunterricht der Sekundarstufe I. Dieses Dokument vereint Über-Information (was ist GeoGraSim, für wen, mit welchem Ansatz) und das didaktische Handbuch mit Modul-Beschreibungen, Lernzielen und 45-Minuten-Stundenentwürfen. Stand: Juni 2026.
GeoGraSim ist eine Lern-App für den Unterricht in Geografie und wirtschaftlicher Bildung (AT, seit Lehrplan 2023) bzw. RZG/WAH (CH-LP21) und Erdkunde/Geographie (DE-Bildungsstandards). Schülerinnen und Schüler treffen eigenständig Entscheidungen in komplexen Systemen und erleben deren Konsequenzen in Echtzeit: Klimawandel steuern, Flüsse managen, globale Lieferketten verstehen, Welternährung balancieren, Energiewende gestalten, EU-Demokratie nachvollziehen.
Das Programm ist kein Ersatz für Unterricht, sondern ein Werkzeug für Lehrpersonen. Der eigentliche Wert entfaltet sich in der unterrichtlichen Einbettung: Lehrpersonen starten Simulationen, begleiten den Lernprozess und sichern Ergebnisse.
Basiert auf aktuellem Stand der didaktischen Forschung und Wirkungsforschung zu Simulationen im Unterricht.
261 Anker zu „Geografie und wirtschaftliche Bildung" (AT 2023), Lehrplan 21 (CH) und KMK/Länder-Standards (DE), 5.–10. Schulstufe.
Lehrpersonen sehen Fortschritt, Entscheidungen und Ergebnisse aller Schüler*innen.
GeoGraSim baut auf dem Modell Predict–Observe–Explain auf: Lernende formulieren vor jeder Simulation eine Hypothese, beobachten die Konsequenz und erklären die Abweichung zwischen Erwartung und Ergebnis. Dieses Modell ist in der naturwissenschaftlichen Didaktik breit evidenzbasiert und adressiert gezielt Fehlkonzepte — etwa die Vorstellung, Klimawandel sei ein linearer Prozess oder Hochwasserschutz funktioniere nur durch Deiche.
Jede Simulation bildet ein reales System ab — Klima, Fluss, Stadt, Energie, Lieferkette. Schülerinnen und Schüler erleben, dass Eingriffe an einer Stelle unerwartete Folgen an anderer Stelle haben. Diese Vernetztheit ist mit statischen Medien kaum vermittelbar, in der Simulation wird sie unmittelbar erfahrbar.
Alle Module sind auf die Lehrpläne im DACH-Raum abgestimmt — primär „Geografie und wirtschaftliche Bildung" (AT 2023, BGBl. II Nr. 1/2023), mit Quervernetzung zu LP21 (CH) und KMK/Länder-Standards (DE):
| Schulstufe | Schwerpunkt | Module |
|---|---|---|
| 5. Schulstufe (1. Klasse) | Leben und Wirtschaften im eigenen Umfeld | Klimawächter, Flussmanagement, Busfahrt, Sonnensystem |
| 6. Schulstufe (2. Klasse) | Nachhaltigkeit und Verantwortung | Energiemanager, Landwirtschaft, Flussmanagement (fortgeschritten), Weltküche |
| 7. Schulstufe (3. Klasse) | Österreich · Europa — Raum und Wirtschaft | Heli-Navigation, Logistik Europa, Busfahrt (vertieft), Entscheidungstag |
| 8. Schulstufe (4. Klasse) | Globalisierte Welt | Klimawächter 3D, Fluggesellschaft, Weltküche (Welternährung), EU-Werkstatt |
| 9.–10. Schulstufe | Vertiefung und Transfer | Alle Module auf höchstem Level, fächerübergreifende Projekte |
GeoGraSim basiert auf zwei umfangreichen Literaturrecherchen — siehe Forschung für Fachartikel und Literaturverzeichnis.
GeoGraSim ist eine offene Plattform für interaktive Lernarbeit. Die Schüler*innen treffen Entscheidungen in komplexen Mensch-Umwelt- Systemen und erleben die Folgen — Zielkonflikte, Rückkopplungen und nichtlineare Zusammenhänge werden spürbar statt nur beschrieben. Aktuell stehen zwölf Simulationen zur Verfügung, ergänzt durch ein verlinktes Glossar mit über 160 Fachbegriffen in Standard- und Leichter Sprache sowie eine begleitende Mindmap aller Begriffsverbindungen.
| Modul | Thema | Klasse | Dauer | Begriffe |
|---|---|---|---|---|
| 🌡️ Klimawächter (2D + 3D) | Klimaschutz, Inselstaat über 75 Jahre | 1.–4. | 35 min | 53 |
| 🏞️ Flussmanagement | Hochwasser, Renaturierung, Auwald | 1.–4. | 30 min | 18 |
| 🚁 Heli-Navigation | Kartenkompetenz, Koordinaten, Alpenraum | 1.–4. | 40 min | 12 |
| 🚚 Logistik Europa | Transport, Disposition, Fristen, Marge | 2.–3. | 30 min | 19 |
| 🚌 Busfahrt | Topografie Europa, Hauptstädte, Distanzen | 1.–4. | 20 min | 14 |
| 🌾 Landwirtschaft | Klimazonen, Anbaugrenzen, Welternährung | 1.–4. | 20 min | 14 |
| ⚡ Energiemanager | Tagesszenarien Strom, Pumpspeicher | 3.–4. | 20 min | 12 |
| 🏛️ EU-Werkstatt | Demokratie, Gesetzgebung in der EU | 3.–4. | 20 min | 12 |
| 🪐 Sonnensystem | Achsneigung, Jahreszeiten, Finsternisse | 1.–2. | 20 min | 10 |
| 🍽️ Weltküche NEU | Welternährung, Handelswege, Eigenkonsum vs. Export | 2.–4. | 25 min | 22 |
| ✈️ Fluggesellschaft NEU | Großkreis-Routing, CO₂-Bilanz, außereuropäische Geografie | 3.–4. | 25 min | 13 |
| 📅 Entscheidungstag NEU | Tagesplanung, Energie · Wasser · Mobilität im Haushalt | 1.–3. | 20 min | 11 |
Klassenangaben beziehen sich auf die österreichische Sekundarstufe I (Klasse 1 = 5. Schulstufe = ca. 10–11 Jahre). Alle Module sind auch in höheren Klassen einsetzbar; einige Module (Energiemanager, EU-Werkstatt) setzen mehr Vorwissen voraus.
Klima retten, Küste schützen.
Beschreibung: Als Klimawächter*in lenkst du einen Inselstaat 75 Jahre lang (2025–2100) durch den Klimawandel. Du baust Windparks, Solaranlagen, Mangroven und Deiche, reagierst auf Sturmfluten und Hitzewellen und balancierst dein Budget gegen den steigenden Meeresspiegel. Zwei Varianten — 2D-Karte (für Schuleinsatz, klare Übersicht) und 3D-Welt (frei begehbar, stärker explorativ) — zeigen dieselbe Logik aus unterschiedlichen Perspektiven.
Mensch-Umwelt-Beziehungen · Nachhaltigkeit · Raumverantwortung · Energiekompetenz
Hochwasser verstehen, Fluss naturnah führen.
Beschreibung: Du bist für einen Flussabschnitt verantwortlich — Dämme, Retentionsflächen, Auen. Jedes Hochwasser zeigt, ob deine Entscheidungen halten. Die Simulation verbindet Hydrologie, Raumplanung und Katastrophenschutz und macht den Zielkonflikt zwischen Siedlungsschutz, Landwirtschaft und naturnahem Flussverlauf erlebbar.
Mensch-Umwelt-Beziehungen · Naturgefahren · Raumplanung
Bergrettung auf Koordinaten — Kartenlesen unter Zeitdruck.
aktiv
10–16 Jahre
⏱ 40 min
Kartografie · Koordinaten · Topografie
Beschreibung: Du fliegst einen Rettungshelikopter zu 60 Einsatzorten im Alpenraum. Längen- und Breitengrad, Höhenstufen und Wetterlagen musst du in Bewegung richtig lesen. Sechs Phasen mit zunehmender Schwierigkeit, vertonte Dispatcher- Stimme, realistische Topografie auf Basis echter Höhendaten.
Räumliche Orientierung · Kartenkompetenz · Naturraum Hochgebirge
Waren, Wege, Warten.
Beschreibung: Du arbeitest mit einem Logistikunternehmen in Europa. Transportaufträge gehen ein, du wählst zwischen LKW, Zug und Schiff, planst über echte OSM-Routen, hältst Fristen ein und hältst die Marge im Blick. Wer Leerfahrten vermeidet und intermodal kombiniert, gewinnt.
Verkehrsgeografie · Wirtschaftsräume Europa · Nachhaltige Mobilität
Topografie Europa — Hauptstädte und Distanzen.
aktiv
10–16 Jahre
⏱ 20 min
Topografie · Europa · Hauptstädte
Beschreibung: Du arbeitest für ein Busunternehmen. Ein Auftrag kommt rein („Fahre nach Paris") — du tippst die richtige Stelle auf der Europa-Karte. Die Abweichung in km wird gemessen, drei Versuche pro Auftrag, dann zeigt die Sim die richtige Position. Nach dem Treffer eine kurze Stadt-Info, oft mit Bild des Wahrzeichens.
Räumliche Orientierung · Europa-Kompetenz · Maßstabsgefühl
Anbau weltweit — wo wächst was und warum.
aktiv
10–16 Jahre
⏱ 20 min
Landwirtschaft · Klimazonen · Welternährung
Beschreibung: Du baust auf einer Welt-Karte Pflanzen an und hältst Tiere. Banane in Norwegen? Reis in Frankreich? Probier es. Nach jedem Jahr bekommst du für jedes Feld einen Bericht: Klimatauglichkeit, Ertrag, Bodenmüdigkeit, Krankheits ausbrüche. Du lernst durch wiederholte Versuche, welche Region welcher Pflanze gerecht wird.
Geozonen · Welternährung · Mensch-Umwelt-Beziehungen · Globalisierung
Strom durch den Tag balancieren.
aktiv
13–16 Jahre
⏱ 20 min
Energie · Versorgung · Speicher
Beschreibung: 18 Tagesszenarien (Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Industrietag, Wochenende). Pro Tag planst du in acht Zwei-Stunden-Blöcken: zwei Pumpspeicher hoch- oder runterfahren — je nach Wetter, Verbrauch und Lastprofil. Ziel: alle acht Blöcke ohne Defizit. Sechs thematische Sets à drei Tage, persistenter Speicher zwischen den Tagen eines Sets.
Energiewirtschaft · Nachhaltigkeit · Systemdenken
Wie ein Gesetz entsteht.
aktiv
13–16 Jahre
⏱ 20 min
Politische Bildung · Demokratie · EU
Beschreibung: Vier echte EU-Vorgänge zeigen, wie Demokratie auf europäischer Ebene funktioniert: End the Cage Age, USB-C-Ladekabel, Stop Brexit, Stop Vivisection. Du löst Aufgaben mit Karten zu Institutionen (Kommission, Parlament, Ministerrat), Verfahren (Bürgerinitiative, Mitentscheidung) und Akteuren (Lobby, NGOs). Falsche Antworten landen sichtbar im Mülleimer — richtige führen weiter zur Wahrheit, wie es in Brüssel wirklich war.
Politische Bildung · Demokratieverständnis · EU-Kompetenz
Astronomie zum Beobachten — Tag, Jahreszeiten, Finsternisse.
aktiv
10–14 Jahre
⏱ 20 min
Astronomie · Erdrotation · Finsternisse
Beschreibung: Du arbeitest mit einem 3D-Modell von Sonne, Erde und Mond. Verschiedene Phänomene werden dir als kurze Sequenzen gezeigt — du beobachtest und beantwortest dann Fragen dazu. Im Forscher-Modus kannst du das System frei erkunden, die Achse kippen, die Zeit beschleunigen, eine Sonnenfinsternis nachstellen.
Astronomie · Räumliches Vorstellungsvermögen · Naturwissenschaftliches Beobachten
Wo kommt unser Essen wirklich her?
aktiv · neu
11–16 Jahre
⏱ 25 min
Welternährung · Handel · Konsumkritik
Beschreibung: Du wählst ein Gericht — Wiener Schnitzel, Sushi, Pho, Tacos, Falafel, Pizza, Paella, Strudel … — und musst seine Zutaten auf einer Weltkarte den realistischen Herkunftsländern zuordnen. Für jede Zutat klassifiziert die Simulation die Hauptlieferanten auf dem österreichischen Markt (EU-Nachbarn 4× gewichtet) gegen Big-Player, die zwar weltweit relevant sind, aber kaum bei uns landen (Brasilien-Zitronen → Eigenkonsum, US-Zitronen → Asien, Neuseeland-Butter → world-far). Off-Season-Lieferanten (Argentinien-Zitronen im EU-Winter) sind eigene Kategorie. Mit Fehlversuchen kommt Feedback in Kindersprache.
Welternährung · Globalisierung · Konsumdisparitäten · Mensch-Umwelt-Beziehungen
Großkreis-Routen und CO₂ — Geografie über die EU hinaus.
aktiv · neu
12–16 Jahre
⏱ 25 min
Verkehr · Globalisierung · CO₂
Beschreibung: Du übernimmst eine kleine Fluggesellschaft mit 69 Aufträgen zwischen 44 Städten weltweit (inkl. Asien und Amerika). Routen werden als Großkreise berechnet (kürzeste Strecke auf der Kugel — sieht auf der Karte gebogen aus). Pro Auftrag drei Quizfragen: Land, Kontinent, grobe Lage. Am Ende eine CO₂-Bilanz pro Passagierkilometer mit Vergleich zum Zug auf Kurzstrecken.
Räumliche Orientierung weltweit · Verkehrsgeografie · Nachhaltige Mobilität
Ein Tag im eigenen Haushalt — kWh, km und Watt.
aktiv · neu
10–14 Jahre
⏱ 20 min
Haushalt · Energie · Mobilität · Alltag
Beschreibung: Ein typischer Wochentag — Frühstück, Schulweg, Mittagessen, Hobby, Abendessen, Bett. Bei jeder Entscheidung (Duschen oder Baden? Fahrrad oder Auto? Jause selbst gemacht oder gekauft?) bilanziert die Sim Energie (kWh), Mobilität (km) und Wasser (Liter). Am Ende: Tagesabrechnung mit Detail-Cards, langfristig ein Dashboard, das aus mehreren Tagen ein Profil baut.
Energiebildung · Konsumkompetenz · Nachhaltige Mobilität · Alltagsgeografie
Querschnitt für alle Module: über 160 Fachbegriffe in Standardsprache und in Leichter Sprache (A1–A2-Niveau, ein Satz pro Idee, einfache Wörter, kurze Sätze). Jeder Eintrag hat:
Die Mindmap visualisiert alle Begriffe als Force- Directed-Graph mit Farbcodierung pro Modul. Schüler*innen entdecken inhaltliche Brücken — z. B. dass „CO₂" Klima, Verkehr, Landwirtschaft und Logistik verbindet.
| Phase | Dauer | Aktivität |
|---|---|---|
| Einstieg | 5 min | Vor-Fragen besprechen, Vorwissen aktivieren. |
| Einführung | 3 min | Modul kurz vorstellen, Bedienlogik zeigen, Einsatzformen klären. |
| Bearbeitung | 20–30 min | Schüler*innen arbeiten selbstständig (Einzel- oder Partnerarbeit). |
| Auswertung | 5 min | Ergebnisse vergleichen — Lehrerdashboard zeigt Bearbeitungsprofile. |
| Reflexion | 7–10 min | Nach-Fragen, Transfer auf die Realität, Glossar-Recherche. |
Das System erfasst pro Bearbeitung:
Die Auswertungen in GeoGraSim folgen bewusst dem Prinzip der formativen Leistungsbeurteilung („assessment for learning") und nicht der summativen Benotung („assessment of learning"). Formativ heißt: Information wird während des Lernens gewonnen und genutzt, um es zu verbessern – sie dient der Steuerung, nicht dem Urteil (Black & Wiliam, 1998). Ramaprasad (1983) schärft das zu: Eine Kennzahl ist erst dann Feedback, wenn sie genutzt wird, um die Lücke zwischen Ist und Ziel zu verkleinern; eine Zahl, die niemand in Handlung übersetzt, ist per Definition keines.
Sadler (1989) beschreibt Lernsteuerung als das Schließen genau dieser Lücke. Dafür braucht es drei Dinge: eine Vorstellung vom Ziel, einen Vergleich des aktuellen Stands mit dem Ziel und eine Handlung, die den Abstand verringert. Hattie & Timperley (2007) formulieren das als drei Fragen, die wirksames Feedback beantwortet: Feed up („Wohin gehe ich?"), Feed back („Wie weit bin ich?") und Feed forward („Was ist der nächste Schritt?").
Leistungsdaten lassen sich an drei sinnvollen Maßstäben messen. GeoGraSim stützt sich auf diese drei und verzichtet bewusst auf den vierten, die normative Rangordnung:
Die normative Bezugsnorm (Vergleich mit Mitschüler:innen, „Bestenliste") meiden wir, weil sozialer Vergleich Kompetenzerleben und Autonomie der schwächeren Hälfte untergräbt (Deci & Ryan, 1985; Dweck, 2006).
Feedback und Selbstregulation gehören zum Wirksamsten, was die Unterrichtsforschung kennt. Die Effektstärken sind grobe Orientierung und werden methodisch diskutiert: Für Feedback werden Werte von d ≈ 0,7 (Hattie, 2009) bis d ≈ 0,48 in neueren Meta-Analysen (Wisniewski, Zierer & Hattie, 2020) berichtet; das Teaching-and-Learning-Toolkit der Education Endowment Foundation beziffert Feedback mit etwa +6, Metakognition/Selbstregulation mit etwa +7 Lernmonaten. Für „formative Beurteilung" als Sammelbegriff reicht die Spanne von d ≈ 0,4–0,7 (Black & Wiliam, 1998) bis zu deutlich moderateren d ≈ 0,20 in einer strengeren Meta-Analyse (Kingston & Nash, 2011). Die Botschaft ist nicht die exakte Zahl, sondern: die Wirkung hängt fast vollständig von der Art des Feedbacks ab – aufgaben- und prozessbezogen, spezifisch, zeitnah und umsetzbar (Shute, 2008).
Fleiß ist real und fair – Anstrengung verdient Würdigung, und Beteiligung ist die Voraussetzung für alles andere. Als Messgröße ist er aber heikel: Rohe Menge (Zeit, Durchläufe, Punkte) ist nicht gleich Lernen. Schon Carroll (1963) modellierte Lernen als Funktion produktiv verbrachter Zeit, nicht der Zeit an sich. In intelligenten Tutorensystemen lernen ausgerechnet jene Schüler:innen weniger, die „das System spielen" (viele Versuche, wenig Denken; Baker et al., 2004). Und Anstrengung allein genügt nicht: Ohne passende Strategie und sichtbaren Fortschritt bleibt sie wirkungslos (Dweck, 2006). GeoGraSim interpretiert Fleiß deshalb als produktives Engagement und Ausdauer – „bleibt nach Misserfolg dran", „überlegt statt zu raten", „arbeitet regelmäßig" – und zeigt ihn nie allein, sondern stets gekoppelt an Erreichung und Fortschritt.
Die eigentliche Handlungsinformation entsteht erst im Kreuzen der drei Achsen – nicht in einer einzelnen Zahl:
Ziel der Lehrer-Auswertung ist deshalb nicht die Rangordnung, sondern die Frage: Wen muss ich fördern, wen fordern, wen zuerst beteiligen? – und der jeweils nächste konkrete Schritt (Feed forward; Hattie & Timperley, 2007).
Baker, R. S. J. d., Corbett, A. T., Koedinger, K. R. & Wagner, A. Z. (2004). Off-Task Behavior in the Cognitive Tutor Classroom: When Students „Game the System". Proceedings of ACM CHI 2004, 383–390.
Black, P. & Wiliam, D. (1998). Assessment and Classroom Learning. Assessment in Education, 5(1), 7–74.
Bloom, B. S. (1968). Learning for Mastery. Evaluation Comment, 1(2), 1–12.
Butler, R. (1988). Enhancing and undermining intrinsic motivation: The effects of task-involving and ego-involving evaluation. British Journal of Educational Psychology, 58(1), 1–14.
Carroll, J. B. (1963). A Model of School Learning. Teachers College Record, 64(8), 723–733.
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. New York: Plenum.
Dweck, C. S. (2006). Mindset: The New Psychology of Success. New York: Random House.
Education Endowment Foundation (o. J.). Teaching and Learning Toolkit: Feedback; Metacognition and Self-Regulation. educationendowmentfoundation.org.uk
Fredricks, J. A., Blumenfeld, P. C. & Paris, A. H. (2004). School Engagement: Potential of the Concept, State of the Evidence. Review of Educational Research, 74(1), 59–109.
Glaser, R. (1963). Instructional Technology and the Measurement of Learning Outcomes. American Psychologist, 18(8), 519–521.
Guskey, T. R. (2010). Lessons of Mastery Learning. Educational Leadership, 68(2), 52–57.
Harlen, W. & Deakin Crick, R. (2003). Testing and Motivation for Learning. Assessment in Education, 10(2), 169–207.
Hattie, J. (2009). Visible Learning. London: Routledge.
Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research, 77(1), 81–112.
Hughes, G. (2011). Towards a Personal Best: A Case for Introducing Ipsative Assessment in Higher Education. Studies in Higher Education, 36(3), 353–367.
Kingston, N. & Nash, B. (2011). Formative Assessment: A Meta-Analysis and a Call for Research. Educational Measurement: Issues and Practice, 30(4), 28–37.
Kluger, A. N. & DeNisi, A. (1996). The Effects of Feedback Interventions on Performance. Psychological Bulletin, 119(2), 254–284.
Nicol, D. J. & Macfarlane-Dick, D. (2006). Formative Assessment and Self-Regulated Learning: A Model and Seven Principles of Good Feedback Practice. Studies in Higher Education, 31(2), 199–218.
Ramaprasad, A. (1983). On the Definition of Feedback. Behavioral Science, 28(1), 4–13.
Sadler, D. R. (1989). Formative Assessment and the Design of Instructional Systems. Instructional Science, 18(2), 119–144.
Shute, V. J. (2008). Focus on Formative Feedback. Review of Educational Research, 78(1), 153–189.
Vygotskij, L. S. (1978). Mind in Society. Cambridge, MA: Harvard University Press.
Weiner, B. (1985). An Attributional Theory of Achievement Motivation and Emotion. Psychological Review, 92(4), 548–573.
Wiliam, D. (2011). Embedded Formative Assessment. Bloomington: Solution Tree Press.
Wisniewski, B., Zierer, K. & Hattie, J. (2020). The Power of Feedback Revisited: A Meta-Analysis of Educational Feedback Research. Frontiers in Psychology, 10:3087.
Zimmerman, B. J. (2002). Becoming a Self-Regulated Learner: An Overview. Theory Into Practice, 41(2), 64–70.
GeoGraSim baut auf systematischer Recherche auf:
Eine ausführliche Quellenliste und das Lehrplan-Mapping finden sich unter geograsim.at/lehrplan.