EU-WERKSTATT · KAPITEL-START

Geografie und wirtschaftliche Bildung · Politische Bildung · Sek I

Wie ein EU-Gesetz entsteht

Wer entscheidet eigentlich in Europa – und was kannst du selbst bewirken, damit aus einer Idee ein Gesetz für 450 Millionen Menschen wird?

📷Foto gesuchtEU-Flagge an einem öffentlichen Gebäude (z. B. Landhaus Bregenz, Bezirkshauptmannschaft, Grenzübergang) – gern mit österreichischer Flagge daneben.assets/img/buch/eu-werkstatt/opener-eu-flagge.jpg
Darum geht es in diesem Kapitel: Du lernst, wie die Europäische Union funktioniert. Welche Ämter gibt es? Und wer darf neue Gesetze vorschlagen? Nur die EU-Kommission darf das. Man nennt dieses Recht Initiativrecht. Du siehst, wie ein EU-Gesetz Schritt für Schritt entsteht. Diesen Weg nennt man Mitentscheidung. Du erfährst auch, wie du selbst mitbestimmen kannst – mit einer Europäischen Bürgerinitiative. Und du lernst, warum das oft schwer ist. Es reden Lobbys mit. Die EU ist nicht für alles zuständig. Und 27 Staaten müssen sich erst einigen.
AT · GW 4.2 & 4.5 (EU, Grundfreiheiten, Werte) AT · GW 4.4 & 4.6 (EU-Integration) AT · GPB 4. Kl. (Europäisierung, Mitbestimmung) DE · BY: Einheit & Vielfalt in Europa (Jg. 7) DE · DGfG H3 (raumpolitische Beteiligung) CH · LP21 RZG.8.3 (Schweiz und EU)
🎮 So arbeitest du mit der Simulation: Du arbeitest dich durch zehn echte EU-Fälle. Es geht zum Beispiel um das Käfig-Verbot für Tiere („End the Cage Age"), um das einheitliche Ladekabel (USB-C) und um „Stop Brexit". In jedem Fall begleitest du eine Jugendliche oder einen Jugendlichen. Du beantwortest die wichtigen Fragen mit Karten – zu Ämtern, Verfahren und Beteiligten. Jede Karte hat ein i-Symbol. Tippst du darauf, öffnet sich eine Ansicht voller Fakten. Falsche Antworten bekommen eine Erklärung. Grobe Fehler landen sichtbar im Mülleimer. Die Prozessleiste zeigt dir den Weg des Falls Schritt für Schritt. Am Ende liest du unter „So war es wirklich", wie es in Brüssel ausging. Pro Fall gibt es bis zu 5 Sterne, dazu Auszeichnungen und einen Profi-Modus mit weniger Hilfen.
📷Foto gesuchtScan: alter Reisepass mit Einreise-Stempeln aus europäischen Ländern (Familienarchiv) – Reisen vor Schengen.assets/img/buch/eu-werkstatt/reisepass-alt.jpg
SEITE 1 · WAS IST DIE EU?

1 · Was die EU ist – und was nicht

Die Europäische Union ist ein Verbund von 27 Staaten. In ihr leben rund 450 Millionen Menschen, und es gibt 24 Amtssprachen [1]. Die EU ist aber kein Bundesstaat wie die USA. Jedes Mitglied bleibt ein eigener Staat. Die Länder haben nur vereinbart, manche Dinge gemeinsam zu regeln. Das Wichtigste ist der Binnenmarkt. Er bringt vier Freiheiten: Waren, Menschen, Dienstleistungen und Geld dürfen frei über die Grenzen. Man nennt sie die vier Grundfreiheiten. Du spürst die EU jeden Tag, oft ohne es zu merken. Dein Handy kostet im EU-Ausland nichts extra – das nennt man Roaming. In 20 Ländern zahlst du mit dem Euro. Mit Erasmus+ kannst du ein Jahr im Ausland lernen. Und an den meisten Grenzen innerhalb der EU hält dich niemand mehr an – dafür sorgt das Schengen-Abkommen.

Österreich stimmte am 12. Juni 1994 über den Beitritt ab. In dieser Volksabstimmung sagten 66,6 % Ja. Seit dem 1. Jänner 1995 ist Österreich Mitglied [2]. Die Schweiz ging einen anderen Weg. 1992 lehnte das Stimmvolk knapp ab, dem Europäischen Wirtschaftsraum beizutreten (50,3 % Nein). Der Europäische Wirtschaftsraum verbindet Länder mit dem Binnenmarkt, ohne dass sie EU-Mitglied sind. Seither regelt die Schweiz ihr Verhältnis zur EU mit über 100 einzelnen Verträgen [3]. Das winzige Liechtenstein ist seit 1995 im EWR. So macht es beim Binnenmarkt mit, ohne EU-Mitglied zu sein [3].

Wichtig ist: Die EU darf nicht alles regeln. Sie darf nur das, wofür ihr die Staaten die Zuständigkeit gegeben haben. Handel, Verbraucherschutz oder Umwelt-Regeln – ja. Schule, Steuern, Familie oder Militär – das bleibt Sache der einzelnen Länder. Dahinter steht ein wichtiges Prinzip: die Subsidiarität. Es bedeutet: Die EU soll nur regeln, was sie besser kann als die Länder allein. Alles andere wird möglichst nah bei den Menschen entschieden.

📷Foto gesuchtGrenzübergang Österreich–Schweiz (z. B. Hohenems–Diepoldsau oder Lustenau–Au SG) mit Zollgebäude/Schweizer Wappen.assets/img/buch/eu-werkstatt/grenze-schweiz.jpg
📊 Echte Zahlen: EU: 27 Staaten · ~450 Mio. Menschen · 24 Amtssprachen [1] · Österreich: Volksabstimmung 12.6.1994, 66,6 % Ja, Beitritt 1.1.1995 [2] · Schweiz: EWR-Nein 1992 (50,3 %), heute über 100 bilaterale Verträge; Liechtenstein: EWR seit 1995 [3]
🎮 In der Simulation: Der Fall „Stop Brexit!" dreht sich genau um diese Grenze. Bevor eine Bürgerinitiative Unterschriften sammeln darf, prüft die Kommission zuerst die Zuständigkeit: Darf die EU dieses Thema überhaupt regeln? Die Karte „EU-Zuständigkeit" (mit i-Symbol!) erklärt dir, was die EU darf und was nicht. Übrigens: Mehr als ein Drittel aller Bürgerinitiativen scheitert schon an dieser ersten Hürde.
SEITE 2 · INSTITUTIONEN

2 · Wer macht was? Die Institutionen der EU

Drei Einrichtungen bauen gemeinsam jedes EU-Gesetz. Die erste ist die EU-Kommission. Sie ist so etwas wie die Regierung der Union: 27 Kommissar:innen, eine:r pro Land, geführt von Ursula von der Leyen. Die Kommission verwaltet und passt auf, dass alle die Verträge einhalten. Und nur sie hat das Initiativrecht. Das heißt: Nur die Kommission darf offiziell neue Gesetze vorschlagen.

Die zweite Einrichtung ist das EU-Parlament. Es vertritt die Bürger:innen. Es ist die einzige EU-Einrichtung, die direkt gewählt wird – alle fünf Jahre, in Österreich schon ab 16 Jahren. Seine 720 Abgeordneten sitzen nicht nach Ländern zusammen. Sie sitzen nach politischer Richtung in Gruppen, den Fraktionen. Die dritte Einrichtung ist der Rat der EU (Ministerrat). Er vertritt die Regierungen. Je nach Thema treffen sich die passenden Minister:innen der 27 Staaten. Bei Umweltgesetzen kommen zum Beispiel alle Umweltminister:innen zusammen.

Achtung, hier verwechselt man leicht etwas. Der Europäische Rat ist etwas anderes. Dort sitzen die Staats- und Regierungschefs. Sie beschließen keine Gesetze, sondern nur die großen Leitlinien. Und der „Europarat" in Straßburg gehört gar nicht zur EU.

📷Foto gesuchtWahlplakate zur EU-Wahl an einer Straße oder amtlicher Aushang/Wahlkarte einer Gemeinde (auch Archiv-Foto von 2024 möglich).assets/img/buch/eu-werkstatt/plakat-euwahl.jpg
📊 Echte Zahlen: EU-Parlament seit 2024: 720 Abgeordnete, davon 20 aus Österreich, 96 aus Deutschland (Maximum), 6 aus Malta (Minimum) · Wahl alle 5 Jahre · Wahlbeteiligung 2024: 51 % [4]
Merke: Die Kommission schlägt vor, Parlament und Ministerrat beschließen gemeinsam. Parlament und Rat können die Kommission nur auffordern, tätig zu werden – schreiben darf den Gesetzestext nur sie.
🎮 In der Simulation: Die Einrichtungen begegnen dir als Karten. Jede hat ein i-Symbol und eine Detail-Ansicht voller Fakten: Sitz, Mitglieder, Aufgaben und „Im Fall …"-Kontext. In fast jedem Fall kommt dieselbe Schlüsselfrage: „Wer darf den Gesetzestext einbringen?" Wer hier Parlament oder Ministerrat wählt, sieht die Karte im Mülleimer landen – mit einer Erklärung, warum nur die Kommission das Initiativrecht hat.
✏️ Aufgaben:
  1. AOrdne zu: Wer schlägt EU-Gesetze vor? Wer beschließt sie? Wer wird direkt gewählt?
  2. BĂ–ffne in der Simulation die Detail-Ansichten von Kommission, Parlament und Ministerrat (i-Symbol). Notiere zu jeder Institution zwei Fakten und vergleiche mit deiner Sitznachbarin oder deinem Sitznachbarn.
  3. C„Das EU-Parlament ist mächtig – aber nicht so mächtig wie der Nationalrat." Prüfe diese Aussage: Was darf der Nationalrat, was das EU-Parlament nicht darf? (Tipp: Initiativrecht.)
SEITE 3 · WEG EINES GESETZES

3 · Vom Vorschlag zum Gesetz: das Mitentscheidungsverfahren

Der normale Weg eines EU-Gesetzes heißt Mitentscheidung. Er läuft so: Die Kommission legt einen Vorschlag vor. Dann beraten Parlament und Ministerrat. Beide dürfen etwas ändern, und beide müssen am Ende zustimmen. Können sie sich nicht einigen, gibt es eine besondere Runde: den Trilog. Dort verhandeln Vertreter:innen von Parlament, Ministerrat und Kommission einen Kompromiss. Insgesamt gibt es bis zu drei „Lesungen". Scheitern alle, ist der Vorschlag gescheitert. Am Ende steht das fertige Gesetz. Es ist entweder eine Verordnung oder eine Richtlinie. Eine Verordnung gilt sofort überall gleich. Eine Richtlinie gibt nur das Ziel vor – jedes Land baut sie in eigene Gesetze um. Beides zusammen nennt man EU-Gesetz.

Oft versucht die EU zuerst den sanften Weg. Sie bittet eine Branche um eine freiwillige Vereinbarung. Beim Ladekabel klappte das nur halb. 2009 unterschrieben fast alle Hersteller, dass sie sich einigen wollen. Nur Apple machte nicht mit. Nach Jahren des Wartens schlug die Kommission 2021 die USB-C-Pflicht vor. 2022 stimmten Parlament und Rat zu. Seit dem 28. Dezember 2024 gilt sie für neue Handys, Tablets und Kopfhörer [5]. Beim Roaming war es ähnlich. Freiwillige Preissenkungen reichten nicht. Also kamen ab 2007 feste Regeln. Seit dem 15. Juni 2017 kostet das Handy im EU-Ausland nichts extra [6].

đź“·Foto gesuchtAlltagsmotiv: USB-C-Kabel und Handy auf dem Tisch, evtl. daneben eine Schublade voller alter, unterschiedlicher Ladekabel als Kontrast.assets/img/buch/eu-werkstatt/usbc-ladekabel.jpg
📊 Echte Zahlen: USB-C-Pflicht für Handys, Tablets, Kopfhörer seit 28.12.2024, für Laptops ab 28.12.2026 [5] · Roaming-Aufschläge in der EU abgeschafft seit 15.6.2017 („Roam Like At Home") [6]
Merke: Kommission schlägt vor → Parlament und Ministerrat verhandeln (notfalls im Trilog) → beide stimmen zu → das Gesetz gilt für alle 27 Staaten.
🎮 In der Simulation: Das Verfahren baust du mit Satz-Bausteinen als Lückentext nach: „Diese zwei Einrichtungen müssen einem EU-Gesetz zustimmen: … und …" Nur Parlament und Ministerrat passen. Der Europäische Rat und die Volksabstimmung wandern in den Mülleimer. Der Fall „Ein Kabel für alle" zeigt zuerst den Weg über die freiwillige Vereinbarung. „Roaming abschaffen" zeigt, dass ein Gesetz auch in mehreren Stufen (2007 · 2012 · 2017) strenger werden kann. Die Prozessleiste unten hält jeden Schritt fest – auch die Sackgassen.
SEITE 4 · BÜRGERINITIATIVE

4 · Mitmachen: die Europäische Bürgerinitiative

Seit 2012 haben EU-Bürger:innen ein eigenes, offizielles Werkzeug: die Europäische Bürgerinitiative (kurz EBI). Die Regeln sind klar. Zuerst meldet ein Komitee aus mindestens 7 Personen aus 7 EU-Ländern die Initiative an. Danach bleiben 12 Monate Zeit. In dieser Zeit muss man 1 Million Unterschriften aus mindestens 7 Ländern sammeln. In Österreich darfst du ab 16 unterschreiben [7]. Schafft man das, muss die Kommission die Initiator:innen anhören. Und sie muss innerhalb von sechs Monaten begründet antworten. Sie muss dem Wunsch aber nicht folgen. Eine EBI ist also stärker als eine Petition (eine einfache Bitte an die Behörden). Aber sie ist kein Volksbegehren mit Gesetzeskraft.

Echte Fälle zeigen, was daraus werden kann. „Right2Water" (Wasser ist ein Menschenrecht) war die erste erfolgreiche EBI überhaupt. Sie floss in die neue EU-Trinkwasser-Richtlinie ein. „End the Cage Age" forderte ein Ende der Käfig-Haltung. Sie sammelte 2018–2019 1.397.113 Unterschriften aus 18 Ländern. 2021 versprach die Kommission ein Gesetz gegen Käfige [8]. Vorgelegt hat sie es bis heute nicht. Darum verklagten die Initiator:innen sie 2024 vor dem Gericht der EU [9]. „Stop Vivisection" kämpfte gegen Tierversuche. Sie schaffte 1.173.130 Unterschriften und alle formalen Hürden. Die Kommission lehnte am 3. Juni 2015 trotzdem ab [10].

📷Foto gesuchtInfo- oder Unterschriften-Stand in einer Fußgängerzone (z. B. Bregenz/Dornbirn) – Menschen unterschreiben eine Liste. Alternativ: Scan einer Unterschriftenliste/Petition.assets/img/buch/eu-werkstatt/unterschriften-stand.jpg
📊 Echte Zahlen: EBI-Hürden: 1 Mio. Unterschriften · mind. 7 Länder · 12 Monate [7] · „End the Cage Age": 1.397.113 Unterschriften aus 18 Ländern [8] · „Stop Vivisection": 1.173.130 Unterschriften, inhaltlich abgelehnt am 3.6.2015 [10]
Merke: Eine erfolgreiche Bürgerinitiative zwingt die Kommission zum Antworten – nicht zum Handeln. Sie macht ein Thema sichtbar; das letzte Wort über einen Gesetzesvorschlag behält die Kommission.
🎮 In der Simulation: Gleich vier Fälle drehen sich um Bürgerinitiativen: „Käfige abschaffen!" (Erfolg im Verfahren, Versprechen noch offen), „Stop Vivisection" und „Glyphosat stoppen?" (formal erfolgreich, inhaltlich abgelehnt) und „Wasser ist ein Menschenrecht" (echter Durchbruch). Die Hürden baust du als Lückentext: Welche Zahlen-Karte stimmt – 100.000, 1 Million oder 10 Millionen? 1, 7 oder 27 Länder? Die Prozessleiste zeigt dir am Ende, wo jeder Fall gelandet ist.
✏️ Aufgaben:
  1. ANenne die drei Hürden einer Europäischen Bürgerinitiative (Unterschriften, Länder, Zeit).
  2. BVergleiche „End the Cage Age" und „Stop Vivisection": Was haben beide erreicht? Woran sind beide (bisher) gescheitert? Bearbeite dazu beide Fälle in der Simulation.
  3. C„Eine Bürgerinitiative, die kein Gesetz erzwingen kann, ist wertlos." Nimm begründet Stellung – nutze mindestens ein Beispiel, bei dem eine EBI trotzdem etwas bewirkt hat.
SEITE 5 · LOBBY & GRENZEN

5 · Lobbys, Mülleimer und die Grenzen der Demokratie

Wo Gesetze für 450 Millionen Menschen entstehen, kämpfen viele um Einfluss. Das nennt man Lobbyismus: Firmen und Verbände versuchen gezielt, die Politik zu beeinflussen. In der EU ist das erlaubt. Aber man muss sich eintragen lassen. Dafür gibt es das Transparenzregister, eine öffentliche Liste. Darin stehen über 12.000 Interessenvertretungen [11] – von Apple und Bayer bis zu Greenpeace und Verbraucherschützer:innen. Lobby-Arbeit ist also nicht automatisch „böse". Aber die Kräfte sind ungleich verteilt. Beim Ladekabel wehrte sich Apple über ein Jahrzehnt gegen ein einheitliches Kabel. Von der gescheiterten freiwilligen Vereinbarung 2009 bis zur USB-C-Pflicht 2024 vergingen 15 Jahre. Am Ende setzte sich das Gesetz trotzdem durch.

Die Demokratie hat aber auch eingebaute Grenzen. „Stop Brexit" wurde 2017 gar nicht erst zur Unterschriftensammlung zugelassen. Der EU-Vertrag (Artikel 50) gibt jedem Staat das Recht auszutreten. Die EU hatte also keine Zuständigkeit, den Brexit zu verhindern [12]. Die Ablehnung war rechtlich korrekt – so bitter sie für die Betroffenen war. Auch bei Glyphosat war es schwierig. Gegen dieses Pflanzenschutz-Mittel sammelte eine EBI 1,3 Millionen Unterschriften. Doch die EU-Behörde EFSA sah keinen Grund für ein Verbot. Und die Mitgliedstaaten fanden keine Mehrheit. Also verlängerte die Kommission 2023 die Zulassung um zehn Jahre, bis Ende 2033 [13]. Verfahren garantieren Fairness – aber nicht das Wunschergebnis.

📷Foto gesuchtTraktor mit Feldspritze auf einem Acker im Rheintal/Walgau – Symbolbild für den Glyphosat-Streit (aus Distanz fotografierbar).assets/img/buch/eu-werkstatt/feldspritze-landwirtschaft.jpg
📊 Echte Zahlen: EU-Transparenzregister: über 12.000 registrierte Interessenvertretungen [11] · Glyphosat: Zulassung im Dezember 2023 um 10 Jahre verlängert, bis 15.12.2033 – die Mitgliedstaaten fanden zuvor keine qualifizierte Mehrheit dafür oder dagegen [13]
Merke: Drei Lehren aus den echten Fällen: (1) Lobby gehört zur Demokratie, braucht aber Transparenz. (2) Die EU darf nur handeln, wo sie zuständig ist. (3) Ein faires Verfahren garantiert kein Wunschergebnis – Demokratie ist ein langer Atem.
🎮 In der Simulation: Die Lobby-Karte taucht in den Fällen USB-C, Glyphosat, DSGVO und AI Act auf. Sie fragt auch, was Konzerne in Brüssel eigentlich tun. In „Stop Brexit!" endet der Fall bewusst im Mülleimer („Im Mülleimer – mit Recht?"). Hier lernst du: Eine Ablehnung kann richtig sein. „Glyphosat stoppen?" ist der längste Fall mit sechs Schritten – vom Wissenschaftsstreit IARC gegen EFSA bis zur überraschenden Abstimmung der Mitgliedstaaten. Wer alle zehn Fälle abschließt, holt die Auszeichnung „Marathon".
✏️ Abschluss-Aufgaben:
  1. BErkläre den Unterschied zwischen „Stop Brexit" (nicht zugelassen) und „Stop Vivisection" (zugelassen, aber abgelehnt). Welche Hürde hat jeweils gestoppt?
  2. CSchreibe eine kurze Rede (5 Sätze) an eine Klasse, die sagt: „Die EU ist undemokratisch, Lobbys entscheiden alles." Widersprich mit drei Argumenten aus diesem Kapitel – und benenne ehrlich einen Punkt, der wirklich Kritik verdient.
  3. DEntwirf eine eigene Europäische Bürgerinitiative: Thema, Forderung, Zuständigkeits-Check (darf die EU das regeln?). Prüfe sie gegenseitig in der Klasse wie die Kommission.
QUELLEN

Quellen & zum Weiterlesen

[1] Europäische Union: Zahlen und Fakten – european-union.europa.eu
[2] Parlament Österreich: Vor 30 Jahren – Österreichs Weg in die Europäische Union – parlament.gv.at
[3] Europäisches Parlament: Der EWR, die Schweiz und der Norden (Kurzdarstellung) · EDA: Überblick bilateraler Weg – europarl.europa.eu · europa.eda.admin.ch
[4] Europäisches Parlament: Ergebnisse der Europawahl 2024 (Sitze & Wahlbeteiligung) – results.elections.europa.eu
[5] Bundesumweltministerium (DE): Einheitliches Ladekabel ist jetzt Standard · Europäisches Verbraucherzentrum Österreich: USB-C für alles? – bundesumweltministerium.de · europakonsument.at
[6] Europäische Kommission: The history of roaming – digital-strategy.ec.europa.eu
[7] oesterreich.gv.at: Europäische Bürgerinitiative (Regeln, Unterschriftsalter) · EU-Parlament: Kurzdarstellung EBI – oesterreich.gv.at · europarl.europa.eu
[8] EU-Register der Bürgerinitiativen: End the Cage Age (Unterschriften & Antwort der Kommission) – europa.eu/citizens-initiative
[9] Albert Schweitzer Stiftung: „End the Cage Age" klagt gegen EU-Kommission (2024) – albert-schweitzer-stiftung.de
[10] EU-Register der Bürgerinitiativen: Stop Vivisection · EU-Kommission: Antwort vom 3.6.2015 – citizens-initiative.europa.eu · europa.eu/rapid
[11] EU-Transparenzregister · EU-Parlament: Mehr Klarheit über Lobbyarbeit – transparency-register.europa.eu · europarl.europa.eu
[12] EU-Kommission: Registrierungs-Entscheidungen 2017 – Ablehnung der Initiative gegen den Brexit – citizens-initiative.europa.eu
[13] Bundeszentrale für politische Bildung: EU verlängert Glyphosat-Genehmigung (2023) – bpb.de