Woher kommen die Zutaten auf deinem Teller? Und was
hinterlässt ihr weiter Weg – beim Klima, beim Preis und bei den Menschen,
die sie anbauen?
Ein ganz normales Frühstück – und eine kleine Weltreise: Kakao aus Westafrika, Banane aus Ecuador, Orangensaft aus Brasilien, Brot und Butter aus der Region.
Darum geht es in diesem Kapitel:
Dein Essen hat oft eine Weltreise hinter sich. Du lernst, warum das so ist.
Klimazonen entscheiden, wo etwas wächst.
Der Welthandel bringt die Zutaten zu uns.
Du siehst auch, wer am Essen wie viel verdient.
Und du lernst, wie du selbst etwas bewegen kannst: mit dem
CO₂-Fußabdruck deines Tellers,
mit saisonalem und regionalem Einkauf und
mit Fair Trade.
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Du erforschst 30 Gerichte aus aller Welt – vom Tiroler Gröstl über
Pizza Margherita bis Sushi, sortiert in vier Gruppen (🇦🇹 AT-regional ·
🇦🇹🇩🇪🇨🇭 DACH · 🇪🇺 Europa · 🌍 Exotisch). Zu jedem Gericht bekommst du zuerst
das echte Rezept mit Schritten, Zubereitungszeit und Nährwerten. Dann
tippst du für jede Welt-Zutat (Pfeffer, Kakao, Reis …) auf der
Weltkarte an, aus welchem Land sie typischerweise zu uns kommt. Manche
Zutaten haben sogar zwei Hauptländer. Richtige Antworten bringen Punkte und
bis zu 10 Abzeichen. Am Ende jedes Gerichts zeigt dir die
Klimabilanz, wie weit deine Zutaten gereist sind.
📷Foto gesuchtKäselaibe in einer Sennerei, einem Käsekeller oder auf einem Marktstand (Bregenzerwald).assets/img/buch/weltkueche/sennerei-kaese.jpg
SEITE 1 · HERKUNFT
1 · Die Weltreise beginnt im Supermarkt
Ob Frühstück oder Abendessen: Kaum ein Teller kommt heute ohne
Welthandel aus. Der Kakao im Frühstückskakao
wuchs in Westafrika, der Pfeffer auf dem Spiegelei in Vietnam, der Reis
im Curry in Asien. Gleichzeitig kommen Erdäpfel, Milch und Brot oft aus
der nächsten Umgebung. Jedes Lebensmittel hat also eine
Herkunftsgeschichte – und die beginnt für dich am Regal: Bei
Obst und Gemüse muss das Herkunftsland angegeben sein.
Wie viel ein Land selbst erzeugt, misst der
Selbstversorgungsgrad.
100 % heißt: Ein Land erzeugt genau so viel, wie es verbraucht. Bei
Milch liegt Österreich weit darüber. Den Überschuss verkaufen wir ins
Ausland – das nennt man exportieren. Bei Obst, Fisch oder Reis
liegt Österreich weit darunter. Was hier fehlt, kaufen wir aus anderen
Ländern zu – das nennt man importieren: aus Nachbarländern, aus
Südeuropa oder per Schiff aus Übersee.
📷Foto gesuchtObst-/Gemüseregal im Supermarkt mit gut lesbaren Herkunftsschildern (z. B. „Spanien", „Österreich", „Ecuador") – Alltagsmotiv, ohne Personen.assets/img/buch/weltkueche/supermarkt-herkunftsschilder.jpg
📊 Echte Zahlen – Selbstversorgungsgrad
Österreich: Getreide 90 % · Erdäpfel 78 % · Gemüse
55 % · Obst 33 % · Fisch 8 % · Reis unter 1 % –
aber Milch 177 % und Käse 109 %. [1]
🎮 In der Simulation: Gesucht ist nicht
der größte Produzent der Welt, sondern das Land, aus dem die Zutat
typisch zu uns auf den Markt kommt. Vier Kategorien helfen dir:
🇪🇺 Hauptlieferant (kommt zu uns) · 🌐 Welt-Hauptproduzent
(Big Player, aber selten bei uns im Regal) ·
🌍 Off-Season-Lieferant
(füllt nur unsere Wintersaison) · 🏠 Eigenkonsum (bleibt im eigenen
Land). Zutaten aus der Speisekammer (Hefe, Essig …) sind als „lokal"
markiert – sie musst du nicht erforschen.
✏️ Aufgaben:
AFinde zu Hause oder im Geschäft
drei Lebensmittel mit drei verschiedenen Herkunftsländern. Notiere
Produkt und Land.
BÖsterreich erzeugt bei Milch
177 %, bei Obst nur 33 % des eigenen Verbrauchs. Erkläre, was die beiden
Zahlen konkret bedeuten – und was mit dem Überschuss bzw. der Lücke
passiert.
C„Österreich könnte sich doch
einfach komplett selbst versorgen." Nimm Stellung: Welche Lebensmittel
wären dann nicht mehr oder nur im Sommer erhältlich?
SEITE 2 · KLIMAZONEN
2 · Klimazonen: Warum Kakao am Äquator wächst
Dass Vorarlberger Bäuer:innen keinen Kakao anbauen, liegt nicht am
Fleiß. Es liegt an der Klimazone. Die
Kakao-Bohne braucht das ganze Jahr über
Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und Schatten. Solche Bedingungen gibt es
nur im „Kakaogürtel" rund um den Äquator. Ähnlich wählerisch sind
Banane, Vanille, Pfeffer und Zimt. Das sind alles tropische
Kulturen – Pflanzen also, die nur in den heißen Tropen wachsen.
Angebaut werden sie oft auf großen
Plantagen.
Reis wiederum liebt Wärme und viel Wasser. In Süd- und
Südostasien liefert der Monsun beides: Der
Sommer-Monsun bringt gewaltige Regenmengen, die die Reisfelder fluten.
Rund 90 % der Welternte wachsen deshalb in Asien.
[2] Bei uns ist das Klima gemäßigt – nicht zu
heiß und nicht zu kalt, mit Sommer und Winter. Diese gemäßigte
Zone ist das Revier von Weizen, Roggen, Erdäpfeln und Äpfeln. Für
Pasta braucht man Hartweizen. Der mag es
trockener und heißer und wächst am liebsten in Italien oder Kanada.
Übrigens hängt fast jede dieser Pflanzen an einem unscheinbaren Helfer:
Ohne Bestäubung durch Insekten gäbe es weder
Kakaofrucht noch Apfel.
Gewürze auf einem Basar in Jerusalem: Kurkuma, Pfeffer und getrocknete Blüten. Viele Gewürze wachsen nur in den warmen Tropen und reisen weit zu uns – Zimt aus Sri Lanka, Pfeffer aus Vietnam, Vanille aus Madagaskar.
Merke: Das Klima setzt jeder Pflanze
eine Anbaugrenze. Tropische Pflanzen wie
Kakao, Banane oder Vanille können bei uns nicht wachsen. Ohne Welthandel
gäbe es hier also weder Schokolade noch Reis. Ohne heimische
Landwirtschaft gäbe es weder Brot noch Milch.
🎮 In der Simulation: Die „falschen" Länder
auf der Karte sind kein Zufall – sie sind die eigentliche Denkaufgabe.
Frag dich bei jeder Option: Zu kalt? Zu trocken? Binnenland oder am
Meer? Wer erkennt, dass Nori-Algen unmöglich aus einem Binnenland
kommen können, holt sich das Abzeichen 🗺️ Geografie-Genie. Und bei
jedem Treffer erfährst du, wie groß die Welternte der Zutat ist und was sie bei uns kostet.
SEITE 3 · WELTHANDEL
3 · Welthandel: Wer verdient an der Schokolade?
Zwischen Ernte und Regal liegt eine lange Kette: Anbau → Ernte →
Transport → Verarbeitung → Handel. Nimm den Kakao als Beispiel. Fast
die Hälfte der Welternte – rund 4,7 Mio. Tonnen pro Jahr –
wächst in nur zwei Ländern: Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und
Ghana. [3] Millionen Kleinbauern-Familien
leben dort vom Kakao. Oft bauen sie nur diese eine Pflanze an. Das
nennt man Monokultur. Große Schiffe bringen
die Bohnen dann nach Europa. Verarbeitet werden sie meist erst hier.
Auch die Schweiz, Deutschland und Österreich verdienen an der
Schokolade also kräftig mit.
Auf jeder Station dieser Kette wird die Ware wertvoller. Deshalb
heißt sie Wertschöpfungskette.
Wie das Geld auf ihr verteilt ist, überrascht viele. Von einem Euro,
den wir für Schokolade zahlen, kommen nur etwa 8 Cent bei den
Kakaobauern-Familien an. Der Rest bleibt bei Verarbeitung, Marke und
Handel. [4] Wer den Anbau fairer machen will,
greift zu Fair Trade: garantierte
Mindestpreise plus eine Prämie für die Gemeinschaft. Mehr dazu auf
Seite 5.
📷Foto gesuchtContainerterminal / Güterbahnhof Wolfurt: gestapelte Container, Kran oder Containerzug – vom öffentlichen Bereich bzw. der Straße aus fotografiert.assets/img/buch/weltkueche/wolfurt-container.jpg
📊 Echte Zahlen: Welt-Kakaoernte
2024/25: rund 4,7 Mio. t, davon 49 % aus Côte d'Ivoire und
Ghana [3] · Anteil der Bauernfamilien am
Schokoladenpreis: ca. 8 Cent pro Euro[4]
🎮 In der Simulation: Genau diese Handelswege
steckt hinter den vier Länder-Kategorien: Ein 🌐 Welt-Hauptproduzent
ist nicht automatisch unser Lieferant – die USA exportieren z. B. vor allem
nach Asien, und viele Länder verbrauchen ihre Ernte selbst
(🏠 Eigenkonsum). Nach jeder Runde bekommst du zu allen Ländern der
Karte einen Erklär-Satz – auch zu denen, die du nicht angetippt hast. So
siehst du, wie die Güterströme wirklich laufen.
✏️ Aufgaben:
AZeichne die Kette der Schokolade
vom Kakaobaum bis ins Regal (mindestens 5 Stationen).
BEine Tafel Schokolade kostet
2,40 €. Rechne aus, was davon bei den Kakaobauern-Familien ankommt:
240 Cent · 8 : 100 = ? Vergleiche mit dem, was du geschätzt hättest.
C„Ohne Welthandel gäbe es bei uns
keine Schokolade – aber mit Welthandel bleiben die Bauernfamilien arm."
Diskutiere: Liegt das am Handel selbst oder an der Verteilung entlang
der Kette? Welche Lösungen kennst du?
SEITE 4 · KLIMABILANZ
4 · Klimabilanz auf dem Teller: Die große Überraschung
„Regional einkaufen rettet das Klima" – stimmt das? Nur zum Teil.
Forscher haben die Klimawirkung von 40 Lebensmitteln über die ganze
Kette untersucht, und das Ergebnis überrascht: Der Transport macht
im Schnitt weniger als 10 % des
CO₂-Fußabdrucks von
Lebensmitteln aus. [5] Entscheidend ist die
Erzeugung, also wie ein Lebensmittel wächst oder gehalten wird.
1 kg Rindfleisch verursacht rund 60 kgTreibhausgase – das sind Gase, die die Erde
aufheizen. 1 kg Linsen oder Erbsen verursacht weniger als 1 kg.
Ein Rindsgulasch aus der Region kann das Klima also stärker belasten als
ein Linsencurry mit Gewürzen aus Übersee.
Beim Transport zählt vor allem das Wie: Fast 60 % der
Lebensmittel-Transportkilometer laufen über das Schiff, nur 0,16 % über
das Flugzeug. [6] Die Banane per Schiff ist
darum kein Klimaproblem – Flugware (etwa empfindliche Beeren
oder Spargel außerhalb der Saison) dagegen schon. Und
saisonal & regional bleibt trotzdem
sinnvoll: Die Freiland-Tomate im August schlägt jede Winter-Tomate aus
dem beheizten Glashaus.
📷Foto gesuchtWochenmarkt-Stand (Bregenz/Dornbirn/Feldkirch) mit saisonalem Gemüse und Preistafeln – gern mit „aus der Region"-Beschriftung.assets/img/buch/weltkueche/wochenmarkt-saisonal.jpg
📊 Echte Zahlen: Rindfleisch
~60 kg CO₂-Äquivalente pro kg, Linsen/Erbsen < 1 kg ·
Transportanteil bei den meisten Lebensmitteln < 10 %[5] · nur 0,16 % der weltweiten
Lebensmittel-Transportkilometer per Flugzeug, ~60 % per Schiff
[6]
🎮 In der Simulation: Die Klimabilanz am Ende
jedes Gerichts rechnet dir die Transport-Emissionen der Welt-Zutaten offen
vor: 50 g pro Welt-Zutat · Strecke · Transport-Faktor (Schiff 8,
Bahn 30, Lkw 80, Flugzeug 500 g CO₂ pro Tonnen-Kilometer). Bewertet wird
von 🌱 „sehr klimafreundlich" bis 🔥 „klimaintensiv". Vergleiche selbst:
Tiroler Gröstl ≈ 50 g, Sushi ≈ 900 g CO₂ pro Portion. Merke
dabei: Diese Bilanz zeigt bewusst nur den Transport – die Erzeugung
(Rind vs. Linsen!) kommt noch dazu.
✏️ Aufgaben:
ASchließe ein AT-regionales und
ein exotisches Gericht ab und notiere beide Klimabilanzen. Woran liegt
der Unterschied?
BEine Gewürz-Zutat (50 g) reist
10.000 km. Rechne die Transport-Emissionen aus:
per Schiff 0,05 kg · 10.000 km · 8 : 1.000 = ? g CO₂ –
per Flugzeug 0,05 kg · 10.000 km · 500 : 1.000 = ? g CO₂.
Wie viel Mal so hoch ist der Flug-Wert?
C„Hauptsache regional!" –
Beurteile diesen Ratschlag mit den Zahlen dieser Seite. In welchen
Fällen stimmt er, in welchen führt er in die Irre?
SEITE 5 · GESUND & FAIR
5 · Gesund und fair essen: Dein Teller, deine Entscheidung
Was auf den Teller kommt, entscheidet dreifach: über deine
Gesundheit, über das Klima (Seite 4) – und über die
Menschen am Anfang der Kette (Seite 3). Für die Gesundheit gibt die
österreichische Ernährungspyramide
die Richtung vor: viel Wasser,
täglich Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst, regelmäßig Getreide und
Erdäpfel, maßvoll Milchprodukte, wenig Fleisch, selten Süßes.
[7] Die Nährwerte auf Verpackungen (und in der
Simulation) machen Gerichte vergleichbar: Energie (kcal), Eiweiß,
Kohlenhydrate, Fett, Ballaststoffe, Salz.
Für die Fairness gibt es Fair Trade:
Siegel wie Fairtrade garantieren Mindestpreise und eine Prämie für
Schulen, Brunnen oder Werkzeug – ein direkter Hebel gegen die 8-Cent-Bilanz
von Seite 3. Und ein dritter Hebel kostet gar nichts:
weniger wegwerfen. Wenn noch essbare Lebensmittel im Müll landen,
nennt man das
Lebensmittelverschwendung. Und
die ist enorm. Österreichs Haushalte werfen pro Jahr rund
635.000 Tonnen Lebensmittel weg – etwa 70 kg pro Person.
Mehr als die Hälfte davon wäre noch gut gewesen.
[8] Essen im Müll hat seine ganze Weltreise
umsonst gemacht.
📷Foto gesuchtNahaufnahme im Geschäft oder zu Hause: Schokolade/Bananen/Kaffee mit gut sichtbarem Fairtrade-Siegel auf der Verpackung.assets/img/buch/weltkueche/fairtrade-siegel.jpg
📊 Echte Zahlen: Lebensmittelabfälle
österreichischer Haushalte: 635.000 t/Jahr, davon
358.000 t vermeidbar – rund 70 kg pro Kopf, vermeidbar
davon 40 kg [8]
🎮 In der Simulation: Jedes der 30 Rezepte
zeigt Portionen, Zubereitungszeit und Nährwerte (kcal, Eiweiß,
Kohlenhydrate, Fett, Ballaststoffe, Salz) – ideal zum Vergleichen: Gröstl
gegen Sushi, Kasnudeln gegen Curry. Nach dem Erforschen liefert die
Infoseite zu jedem Gericht außerdem Hintergrundwissen und Trivia. Wer alle
30 Gerichte abschließt, holt sich das Abzeichen ⭐ Sterne-Koch –
und die Rezepte sind echt: Sie funktionieren auch in deiner Küche.
✏️ Abschluss-Aufgaben:
AVergleiche in der Simulation die
Nährwerte von zwei Gerichten deiner Wahl. Welches passt besser zur
Ernährungspyramide? Begründe.
B70 kg Lebensmittel pro Kopf und
Jahr im Müll: Rechne aus, wie viel das pro Woche ist
(70.000 g : 52 = ?). Nenne drei konkrete Maßnahmen, mit denen deine
Familie diese Menge senken könnte.
CStelle ein „dreifach gutes"
Wochenend-Menü zusammen (gesund · klimafreundlich · fair) und begründe
jede Komponente mit einem Fachbegriff aus diesem Kapitel. Koche es, wenn
möglich, mit einem Rezept aus der Simulation nach.
QUELLEN
Quellen & zum Weiterlesen
[1] BMLUK: Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln in Österreich (2023/24 bzw. 2024) –
bmluk.gv.at
[2] Planet Wissen (WDR/SWR): Reis – Weltnahrungsmittel aus Asien (nach FAO-Daten) –
planet-wissen.de
[3] Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao: Kakao-Statistik (Weltproduktion 2024/25) –
kakaoplattform.ch
[4] Make Chocolate Fair! / INKOTA: Niedrige Kakaopreise und Einkommen für Kakaobäuer:innen –
makechocolatefair.org
[5] Our World in Data: Food – what you eat vs. where it's from (Poore & Nemecek 2018, Science) –
ourworldindata.org
[6] Our World in Data: Very little of global food is transported by air –
ourworldindata.org
[7] Gesundheitsportal Österreich: Die österreichischen Ernährungsempfehlungen (Ernährungspyramide) –
gesundheit.gv.at
[8] BMLUK: Lebensmittelabfälle in österreichischen Haushalten (2022) –
bmluk.gv.at